Montag, 8. Dezember 2008

Pilot: Code Memory - „Böses Erwachen“ (AT)

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Wir sehen einen Plattenspieler, eine Plattenspielernadel dreht sich in der Rille, wackelt, hüpft ab und zu. Wir hören KRATZEN, KNISTERN UND EINEN ALTEN SONG.

DR. JÜRGEN KRETZER und seine FRAU JUDITH packen Klamotten, Campingkocher, Bunsenbrenner, Zelt und Schlafsäcke. Die Stimmung ist ausgelassen. Kretzer freut sich mit Judith auf den ersten gemeinsamen Urlaub seit der Hochzeit. Er bedauert zutiefst, dass sein Job ihm einfach keine Zeit lässt. Aber jetzt wolle er endlich in die Flitterwochen. Das hätten sie sich beide verdient. Kretzer schaut Judith intensiv an, küsst sie zärtlich, riecht an ihrem Hals.

Autobahn, im Van. Kretzer beugt sich zu ihr, küsst sie, kommt von der Fahrbahn ab...
... Crash mit Lkw... Blaulicht... das Dröhnen eines Hubschraubers... die Unfallstelle ist abgesperrt... Leute, die sich mit einem LKA-Dienstausweis identifizieren, inspizieren die Unfallstelle,... POLIZEICHEF HANS-JÜRGEN KORFMANN steht fassungslos da... Judith im Hubschrauber... die Augen sind aufgerissen, flackern,... Notbeatmung... schwache Herztöne,... Korfmann senkt den Kopf... die Sanitäter verlieren den Puls...

Wir sehen auf dem Asphalt einen Ehering,... eine Gravur...

Besprechungszimmer, Chefarzt. CHEFARZT DR. MANFRED BERCHTER informiert Kretzer über Judiths Zustand. Sie liege im Koma. Durch das schwere Schädel-Hirn-Trauma gebe es keine Hoffnung, dass sie wieder aufwachen werde. Kretzer nimmt die Informationen ernüchtert und traurig zur Kenntnis.

Im Krankenhausflur wartet Korfmann, er muntert Kretzer auf, als dessen Handy klingelt.

LKA, Büro Dahl und Arndt. HAUPTKOMMISSAR MATTHIAS ARNDT informiert Kretzer über ein grausiges Verbrechen, er fahre mit Dahl zum Tatort.

Gutbürgerliche Wohnung. Spurensicherer DETLEF MERLE tütet eine Pistole ein, sucht mit einer Spezialbrille und -lampe den Teppich ab, entdeckt einen Fleck, nimmt einen Abstrich, findet einen Glassplitter, tütet ihn ein. HAUPTKOMMISSARIN KATHARINA DAHL findet in der Brieftasche des Opfers einen Pass und einen Journalistenausweis. Beides gehört zu JOSEPH TINKER. Dahl und Arndt diskutieren über ein mögliches Szenario: Joseph Tinker, Journalist, erschießt seine Frau SWETLANA TINKER (ein Schnelltest auf Schmauchspuren beweist das) und erhängt sich selbst, Mord und Selbstmord. Das BABY sollte mit einem Kissen erstickt werden, hat aber glücklicherweise überlebt. Arndt spekuliert, irgendetwas scheine hier nicht zu stimmen, als er eine zweite Patronenhülse findet und einen Einschuss in die Wand. Merle tütet die Hülse ein.

DR. JULIA SCHÖNFELDT von der rechtmedizinischen Abteilung stellt bei Swetlana Tinker einen präzisen Kopfschuss fest.
Einen Moment später taucht Kretzer am Tatort auf. Arndt klärt ihn kurz über den bisherigen Ermittlungsstand auf, außerdem habe die Befragung der Nachbarn ergeben, dass die Tinkers eine intakte Familie waren.

Kretzer mustert die Leichen, den Tatort, macht sich Notizen, fixiert ein Regal mit Familienfotos. Für Kretzer sieht der Tatort zu perfekt aus, wie eine Inszenierung. Arndt habe Recht, irgendetwas stimme hier nicht. Parallel erfährt er von Schönfeldt, dass die männliche Leiche erst ca. 8 Stunden tot ist. Kretzer nickt, er wolle sehen, was der Tote ihnen zu erzählen habe. Sanitäter transportieren die Leiche ab, vorbei an Korfmann, der am Türrahmen unbemerkt Kretzer fixiert. Als das Baby abtransportiert wird, schaut Kretzer nachdenklich hinterher.

Das LKA-Gebäude von oben...

LKA-Gebäude, innen. STAATSANWALT PATRICK OCHS fängt Korfmann, Kretzer und Arndt im Flur ab. Arndt informiert Ochs im Fahrstuhl über den gegenwärtigen Ermittlungsstand.

LKA-Gebäude, Flur. Als sie vor einer massiven Stahltür stehen bleiben, tippt Kretzer einen Pin-Code in ein elektronisches Zahlencodeschloss ein. Die Tür öffnet sich...

... wir sind in einem High-Tech Labor, sehen Computer, Monitore, Türen mit der Aufschrift „Kernspin- und Magnetresonanztomografie“. Kretzer fährt den Rechner hoch. Der Begrüßungsbildschirm zeigt: „Code Memory“.

Josephs Leiche schwebt in die Magnetresonanzröhre hinein. Kretzer schaut auf seine Uhr, drei Stunden bleiben für „Code Memory“.

Auf dem Monitor sind die ersten „Memory-Sequenzen“ zu sehen: Aus dem Schwarzen taucht eine Silhouette auf,... eine Hand,... Schriftbilder...
Ochs, Korfmann und Arndt starren fasziniert auf den Monitor.

Zeitgleich ermittelt Dahl bei Joseph Tinkers Arbeitgeber in einem wissenschaftlichen Verlag. Joseph war als Wissenschafts-Journalist angestellt. Die Mitarbeiter sind bestürzt, als sie vom Tod ihres Kollegen erfahren. Joseph habe gerade Urlaub. Er sei verschlossen gewesen, habe nicht über Privates geredet. Über Probleme von ihm weiß man nichts. Feinde habe er keine gehabt.

Wieder in Kretzers Labor. Wir sehen auf dem Monitor die Hand,... schreibend... Papier füllt sich mit Schrift...

ARNDT
Okay, das könnte der Abschiedsbrief sein, den wir noch gefunden haben.

Kretzer fordert Geduld, die Software kopiere jetzt Daten aus dem Kurzzeitgedächtnis auf die Festplatte. Dann müssten die Sequenzen besser aufgelöst und in die richtige, zeitliche Reihenfolge gebracht werden.

Gleichzeitig im rechtsmedizinischen Labor Schönfeldt. DR. JULIA SCHÖNFELDT obduziert Josephs Ehefrau in Anwesenheit von Dahl. Todesursache: Kopfschuss. Außerdem war sie schwanger. Dahl spekuliert, dann könnte es sich um eine Beziehungstat handeln. Sie müssten im Umfeld der Familie ermitteln.

... ein Warnfenster auf dem Bildschirm in Kretzers Labor. Die 12 Stunden sind vorbei. Kretzer kann keine weiteren Daten mehr aus dem Gedächtnis der Leiche herausfiltern. Er muss sich mit den bisherigen Daten begnügen und sehen, was „Code Memory“ aus dem Gedächtnis kopieren konnte. Kretzer gibt Josephs Leiche zur Obduktion frei.

Rechtsmedizin, Schönfeldt. Als Schönfeldt gerade Feierabend machen will, wird Josephs Leiche angeliefert. Schönfeldt ist für einen kurzen Augenblick empört, wegen der vielen Überstunden, macht sich dann aber motiviert an die Arbeit KTU. Merle untersucht die zwei Patronenhülsen mit einer Software, untersucht Verformung, Materialabrieb und die chemischen Restspuren auf der Oberfläche. Merle runzelt die Stirn, irgendetwas stimmt nicht.

Haus Kretzer, Küche, Nacht. Kretzer betrachtet ein Foto von sich und Judith. Es stammt aus einer glücklichen Zeit. Er betrachtet Judiths Ehering, liest die Gravur: „Judith und Jürgen“. Kretzer legt sorgfältig ein paar frische Kleidungsstücke von Judith in eine Tasche. Oben auf legt er eine Schallplatte.

Nächster Morgen in Kretzers Labor. Die Tasche, die Kretzer letzte Nacht gepackt hat, steht in einer Ecke.

Wir sehen die Memory-Sequenz: ... eine verkrampft schreibende Hand... ein Schatten, der nicht von Joseph Tinker kommen kann, schwebt über dem Brief... der Schatten ist eine Hand, die eine Pistole hält. Kretzer stoppt die Memory-Sequenz, macht einen Screenshot von der Hand- und dem Pistolenschatten.

LKA, Büro Arndt und Dahl. Arndt und Dahl erfahren per Telefon von Ochs, dass der Richter das Verfahren nicht eröffnen wolle, weil der Täter offensichtlich tot sei. Aber Arndt bezweifelt, dass es sich um Selbstmord handelt. In diesem Moment piepst Arndts Handy. Arndt sieht auf dem Display den Screenshot von Kretzer. Arndt runzelt die Stirn, begreift spontan die Bedeutung des Bildes: Das Opfer ist mit einer Pistole gezwungen worden, den Abschiedsbrief zu schreiben. Es gebe also doch einen Fall, Arndt grinst, während Dahl skeptisch schaut. In diesem Moment klingelt das Telefon. Merle aus der KTU hat erstaunliche Neuigkeiten.

KTU. Kretzer und Merle sind gerade dabei den Abschiedsbrief mit anderen Schriftproben von Joseph zu vergleichen, als Arndt und Dahl dazukommen. Kretzer ist davon überzeugt, dass Joseph den Brief entweder unter größtem Stress geschrieben habe oder aber gar nicht der Urheber des Abschiedsbriefes sei. Dann lenkt Merle die Aufmerksamkeit auf die beiden Patronenhülsen. Auf die Frau wurde angeblich zweimal geschossen, Merle wundert sich aber, dass zwischen beiden Schüssen ungefähr eine Stunde liege. Der erste Schuss habe die Frau getötet, aber warum schießt der Täter eine Stunde später auf eine Leiche und verfehlt sie?

Ochs Büro. Ochs, Kretzer, Arndt und Dahl. Ochs sieht von einem USB-Stick den Teil der Memory-Sequenz, in dem das Opfer eindeutig mit der Pistole gezwungen wird, etwas zu schreiben, wahrscheinlich den Abschiedsbrief. Gleichzeitig klärt Dahl Ochs über den Stand der Ermittlungen auf. Ochs ist beeindruckt von der mittlerweilen hohen Qualität der Memory-Aufzeichnungen, als Kretzer einen Anruf aus der Rechtsmedizin erhält. Schönfeldt habe routinemäßig einen DNA-Abgleich von Joseph und dem ungeborenen Baby gemacht: Joseph ist zweifelsfrei der Vater. Zweitens, sie konnte bei Joseph ein starkes Schlafmittel nachweisen. Er sei eventuell betäubt worden, könnte sich das Schlafmittel aber auch selbst verabreicht haben.

Sofort diskutieren Ochs, Arndt und Kretzer über die neue Info, die ihnen aber nicht weiter hilft. Ochs zeigt auf den USB-Stick, damit könne er jedenfalls nicht zum Richter gehen. Alles, was es sonst noch gäbe, seien Indizien. Er brauche etwas, das er dem Richter vorlegen könne. Zum Beispiel den Füller. Ochs kommt zu dem Schluss, dass der Füller gefunden und identifiziert werden müsse, der Füller führe zum Mörder. Doch der Füller wurde nicht gefunden. Ochs schaut zu Kretzer, der seinen Krawattenknoten festzieht.

Memory-Sequenzen: die verkrampfte Hand, überdimensioniert, zuckend, wie in einem Loop... der Füller,...

Kretzer kann den Füller nicht deutlich modulieren, der Füller bleibt wie ein generisches Abbild eines Füllers, eine schwarze Silhouette mit goldener Spitze. Arndt seufzt enttäuscht, macht aber Kretzer Mut, weiter zu machen. Kretzer ist skeptisch, wählt aber ein paar Programmbefehle aus.

Einen Moment später passiert etwas auf dem Monitor: Joseph Tinker steht auf, sieht den Täter,... ein verschwommenes, unbekanntes Gesicht,... wie eine Maske, ohne Falten,... wie ein Puppenmodell... das Gesicht trägt eine Brille,... der Täter trägt eine Brille,...

Arndt und Kretzer schauen fasziniert zu...

... Joseph wehrt sich plötzlich, schlägt zu, reißt dabei die Brille des Täters vom Gesicht,... die Brille geht zu Bruch.

Kretzer stoppt die Sequenz, schaut ahnungsvoll zu Arndt. Kretzer ruft Merle an, erkundigt sich, ob Scherben gefunden wurden. Kretzer macht dabei einen Screenshot von dem phantomhaften Gesicht, auf dem die Brille gut erkennbar ist. Merle bestätigt den Fund einer winzigen Scherbe, aber man konnte sie nicht zuordnen, sie liege in der Asservatenkammer.

KTU. Kretzer, Arndt und Korfmann. Merle macht einen 3-D-Scan von der Scherbe und rekonstruiert damit die Form des Brillenglases. Mit Hilfe des Screenshots aus der Memory-Sequenz kann Merle das Brillenmodell am Computer nachbauen. Korfmann ist begeistert, er will, dass Dahl alle Optiker der Stadt überprüft. Sofort schickt Merle einen Screenshot von der Brille zu Dahl. Irgendjemand müsse so eine Brille irgendwann bestellt haben. Und derjenige sei der Täter. Kretzer - die Brille am Bildschirm anstarrend, - kommt ins Grübeln, er scheint etwas zu erkennen...

Wohnung; Joseph Tinker. Kretzer, Arndt und Korfmann. Korfmann will wissen, was Kretzer jetzt noch in der Wohnung suche, als Kretzer das Foto mit Joseph Tinker und dessen Frau findet. Joseph trägt auf dem Foto die gleiche Brille, die Merle rekonstruieren konnte. Wenn aber das mutmaßliche Opfer die gleiche Brille trug wie der Täter, könne irgendetwas nicht stimmen. Korfmann seufzt enttäuscht, die Brille sei offenbar eine Sackgasse.

Optiker in der Stadt. Dahl zeigt einem Angestellten das Foto von der rekonstruierten Brille und bittet ihn, in der Kundendatenbank nachzusehen, wer so eine Brille bestellt habe. Doch Dahl verlässt das Optikergeschäft ohne Ergebnis. Auf einem Zettel liest sie die Adresse des nächsten Optikers.

LKA; Büro Arndt und Dahl. Korfmann, Kretzer und Arndt diskutieren den Stand der Ermittlungen: Es gibt keine Tatwaffe, kein Motiv, keinen Verdächtigen. Nur einen gefakten Abschiedsbrief, eine Brille und ein Phantom. Als ihnen Dahl per Handy mitteilt, dass ihre Recherche erfolglos verlief, sinkt die Stimmung auf den Tiefpunkt. Kretzer mustert die Kollegen, er will noch einmal ins Labor.
Kretzer fährt zum Krankenhaus. Auf dem Beifahrersitz steht die Tasche mit Judiths Kleidern. Als er in Judiths Patientenzimmer ankommt, legt er die Schallplatte auf und sortiert Judiths Kleider im Schrank ein. Er entschuldigt sich bei ihr, dass er so spät komme und dass er nur kurz bleiben könne. Er verspricht ihr aber, bald wieder zu kommen.

Kretzers Labor, Nacht. Memory-Sequenzen: ... Joseph trinkt etwas, hält das Glas, zitternd,... der Täter überwältigt Joseph,... Joseph baumelt am Strick, lebt aber noch, sieht wie ihm der Täter Ausweise in die Geldbörse steckt, akribisch Spuren verwischt, Scherben einsammelt... Swetlana Tinker schaut verwirrt in den Lauf der Pistole, schreit panisch...

Kretzer stoppt alarmiert die Sequenz, doch ihm fallen vor Müdigkeit die Augen zu...
Kretzers Schlafzimmer, Nacht. Wir hören nur das Ticken von Kretzers Armbanduhr. Im Halbschlaf sieht Kretzer Swetlana Tinker panisch schreien, er dreht sich zur Seite, berührt Judiths Pyjama, riecht daran... Judiths Gesicht... nur ein Traum...

Nächster Morgen; Arndt und Kretzer in Kretzers Labor. Kretzer arbeitet an der Memory-Sequenz, versucht sie feiner aufzulösen, mehr Details herauszufiltern, während er gleichzeitig Arndt informiert, dass er glaube, Joseph habe noch lange gelebt und sei qualvoll erstickt. Als Arndt die „Memory-Sequenzen“ von gestern Nacht sieht, glaubt er spontan, dass Josephs Frau vermutlich nach ihm ermordet worde. Doch Kretzer warnt, er habe noch keine Anhaltspunkte über die zeitliche Reihenfolge der „Memory-Sequenzen“. Per Videochat ruft er Schönfeldt an. Er will wissen, wer von den beiden Eheleuten Tinker zuerst gestorben sei. Schönfeldt kann die Frage nicht mit 100%-iger Sicherheit beantworten.

Memory-Sequenz: Die Silhouette der Babywiege im Kinderzimmer,... das Baby lächelt mit riesigen Augen,... die Brille... das Gesicht wird deutlicher... der Erhängte sieht in das Gesicht... das Gesicht gehört zu Joseph Tinker,... er weint... redet... Tränen,... verzerrte Sprachfragmente...

Als Arndt diese Sequenzen sieht, lehnt er sich frustriert zurück. Er glaubt, dass „Code Memory“ fehlerhaft arbeite, das Opfer könne nicht Joseph Tinker gesehen haben, weil es selbst Joseph Tinker sei. Das ergebe keinen Sinn. Kretzer beschwichtigt, „Code Memory“ arbeite zuverlässig. Sie müssten nur die richtigen Schlüsse ziehen. Kretzer sortiert instinktiv die Memory-Sequenzen im Filmschnittprogramm um:

Memory-Sequenzen: Swetlana schaut verwirrt in den Lauf der Pistole, schreit panisch... Schuss... die Pistole fällt auf den Boden... Kinderzimmer, Babywiege,... Joseph sieht zu dem Baby, legt ihm ein Kissen auf den Körper,... wird von einer Person überrascht...

Kretzer stoppt die Sequenz, er glaubt dass der Täter dabei überrascht wurde, das Kind zu ermorden. Das Kind sei in höchster Gefahr. Wahrscheinlich werde der Killer es noch einmal versuchen. Arndt macht sich auf den Weg ins Kinderkrankenhaus.
Kinderkrankenhaus. Arndt erfährt, dass es dem Kind gut gehe, der Zustand sei stabil. Der Vater sei gerade bei ihm. Doch als Arndt das hört, rennt er alarmiert zur Kinderstation, trifft dort aber niemanden mehr an. Instinktiv lässt er sich von einer Pflegerin eine Beschreibung des vermeintlichen Vaters geben. Arndt holt verblüfft ein Foto von Joseph aus der Jacke, denn die Beschreibung passt genau auf Joseph. Die Pflegerin identifiziert Joseph auf dem Foto als den Vater. Arndt ist zutiefst irritiert, ruft Kretzer an...

Zeitgleich in Kretzers Labor. Das Telefon klingelt...

Memory-Sequenzen: Babylächeln,... Gesicht mit der Brille,... es wird zu Josephs Gesicht... Kampf,... die Brille zerschmettert,... Joseph zwingt Joseph etwas zu trinken, und den Abschiedsbrief zu schreiben... Joseph hängt am Seil,... Joseph sieht in das Gesicht von Joseph Tinker,... er weint... redet... „Es tut mir leid, Roderich.“

... Kretzer nimmt endlich ab, hört Arndt zu, runzelt die Stirn, ist alarmiert. Einen Moment später ruft er Dahl an. Sie soll nach „Roderich Tinker“ recherchieren...

... Dahl stutzt, macht eine Melderegister-Abfrage. Bingo! Roderich Tinker taucht in der Datenbank auf. Er sieht aus wie Joseph Tinker. Sie haben es mit eineiigen Zwillingen zu tun. Dahl ist baff, informiert Kretzer, der fühlt sich bestätigt. Einer von den beiden Tinker-Brüdern ist zum Mörder geworden und will jetzt auch noch das Baby umbringen.

Zeitgleich im Kinderkrankenhaus; das Baby wird medizinisch versorgt.

Zeitgleich; Arndt sucht im Krankenhaus nach dem Tinker-Zwilling...

Dahl fährt zur Meldeadresse Roderich Tinker. Dort trifft sie aber nur die sichtlich verstörte EHEFRAU (SASKIA TINKER) an. Saskia ist am helllichten Tag betrunken. Sie wisse nicht, wo sich ihr Mann aufhalte. Schnell erkennt Dahl, dass die Ehe zerrüttet ist. Roderich wollte sich scheiden lassen. Außerdem hatte er häufig Streit mit seinem Bruder, worum es dabei ging, wisse sie nicht. Als Dahl nach einem aktuellen Foto von Roderich fragt, traut sie ihren Augen nicht. Joseph und Roderich sind zum verwechseln ähnlich. Saskia hat keine Ahnung, wo sich Joseph aufhalten könnte.

Kretzers Labor. Die Memory-Sequenzen zeigen die Babywiege und das lächelnde Baby. Joseph Tinkers Hand streichelt das Baby, legt das Kissen auf das Kind. Roderich überrascht ihn dabei. Es kommt zum Kampf, bei dem die Brille zerschmettert.

RODERICH
Das ist mein Sohn! Er gehört zu mir!

Haus Roderich Tinker. Saskia sieht am Fenster kühl und gleichzeitig besorgt Dahl im Auto hinterher. Als Dahl nicht mehr zu sehen ist, greift Saskia zum Telefon.
Kretzer ruft Arndt an. Kretzer bittet Arndt das Baby zu beschützen. Joseph sei wahnsinnig geworden, er wolle auch das Baby töten, weil es nicht sein eigenes sei.
Arndt rennt zurück zur Station und überwältigt Joseph Tinker, der gerade dabei ist, ein Kissen auf das Baby zu legen. Joseph lässt sich widerstandslos abführen.

LKA, Verhörraum. Kretzer und Joseph mustern sich. Josephs Augen funkeln vor Feindseeligkeit. Kretzer legt die rekonstruierte Brille und die beiden Patronenhülsen auf den Tisch. Dann beginnt Kretzer das Verhör: mit der ersten Kugel habe er (Joseph) seine Frau aus Eifersucht erschossen und mit der zweiten habe er Schmauchspuren bei seinem Bruder erzeugt.

Die Polizei sollte denken, dass es sich um Mord und Selbstmord handele. Als Kretzer erwähnt, dass Josephs Frau schwanger gewesen sei, zeigt Joseph zum ersten Mal eine Regung. Er gesteht den Mord an seiner Frau und an seinem Zwillingsbruder. Sie hätten sich gehasst, sie hätten sich gegenseitig aus ihrem Leben eliminiert. Deswegen gebe es auch keine Fotos, die sie als Brüder zeigen.

Als Joseph herausfand, dass das erste Kind aus einer gemeinsamen Liebesnacht zwischen Roderich und seiner Frau stamme, habe er den Plan gefasst, seinen Bruder umzubringen. Schon einmal habe Roderich ihm seine Frau ausgespannt, Saskia. Er habe Roderich mit einem Vorwand zu sich nach Hause gelockt, Roderich sollte leiden, Roderich sollte lernen, dass er nicht alles kriegen kann, was er haben wollte. Denn so sei es von Kindheit an gewesen. Josephs Plan war, eine Familientragöde zu inszenieren, anschließend in die Rolle seines Bruders zu schlüpfen und zurück zu seiner Ex-Frau Saskia, die er immer noch liebte, zu gehen. Der Rest sei bekannt. Kretzer schaut betroffen und eine Spur erleichtert zum venezianischen Spiegel, erkennt die Silhouetten seiner Kollegen.

Hinter dem venezianischen Spiegel stehen Arndt, Dahl, Korfmann und Ochs, sprachlos, sichtlich mitgenommen. Das Team ist aber auch begeistert von der überraschenden Wende in diesem mysteriösen Fall, dank „Code Memory“. Wer weiß wie viel Wochen sie für die Aufklärung gebraucht hätten, ohne „Code Memory“. Korfmann will einen ausführlichen Bericht.

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